Newsdetail

Was junge Leute beschäftigt und bewegt

Über 500 Schüler bei Projektwoche am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum mit dabei

Mit einem Kabarettstück über die Probleme eines Jugendlichen bereiteten Franz Lindinger (von links), Wolfgang Berger und Thomas Wimmer die Schülerinnen und Schüler auf die Arbeit in den folgenden Workshops vor. − Foto: red

Quelle: pnp

Pfarrkirchen. Es gehört seit Jahren zum "guten Ton" am Beruflichen Schulzentrum Pfarrkirchen: Im Rahmen einer Projektwoche wird die Frage "Was ist los?" gestellt. Den Schülern und Schülerinnen soll Raum und Gelegenheit gegeben werden sich mit den Themen zu beschäftigten, die sie außerhalb ihrer Ausbildung berühren.

Das Organisationsteam der Schule (Franz Marchner, Martin Reitmaier, Linda Reisinger, Melanie Windorfer) bereitete zusammen mit dem Leiter des Kirchlichen Jugendbüros Thomas Wimmer und den drei Sozialpädagogen von "Streetwork Rottal-Inn" die Projektwoche vor, an der rund 510 Schülerinnen und Schüler aus den drei Schulstandorten in Pfarrkirchen und Eggenfelden teilnahmen.

Kabarett mit dem "Fälscher"Zur Einstimmung zeigten Wolfgang Berger (besser bekannt als "Der Fälscher"), Thomas Wimmer und Franz Lindinger in einem Kabarettstück einen kurzen Abschnitt aus dem Leben des fiktiven Jugendlichen Karl-Heinz Gruber, der sich mit Problemen wie Alkohol, Gewalt, Arbeitslosigkeit und ungewollter Schwangerschaft der Freundin auseinandersetzen muss, was die Zuschauer sehr berührte. Nach diesem szenischen Impuls durften sich die Teilnehmer in verschiedene Workshops eintragen, um sich mit einem der fünf angebotenen Themenbereiche aktiv auseinanderzusetzen.

Mit drei eigenen Workshops waren die Streetworker Jakob Kandlbinder (Pfarrkirchen), Sarah Wasner (Eggenfelden) und Karina Weiß (Simbach am Inn) in das Projekt mit einbezogen. Jakob Kandlbinder trainierte mit den Teilnehmern Verhaltensstrategien, um nicht Opfer von Gewalt zu werden.

Auch in diesem Jahr sprach das Thema "Alkohol und Drogen" sehr viele Schüler an. Karina Weiß erarbeitete mit den Jugendlichen anschaulich die große Bandbreite von Suchtverhalten, wobei die am leichtesten zu erreichende Droge Alkohol im Mittelpunkt ihrer Ausführungen stand. Sie suchte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern nach Alternativen und Unterstützungsangeboten.

Das aktuelle Thema "Cyber-Mobbing" griff Sarah Wasner in ihrem Workshop auf. Sie versuchte die Schüler zu sensibilisieren, wie man Angriffen aus dem Netz standhält und mit Hilfe von Freunden und eigener Stärke dagegen angeht.

Christine Wimmer zeigte in der Station "Zur Ruhe kommen" verschiedene Möglichkeiten auf, die eigene Freizeit stressfrei zu genießen. In einer Meditationsübung konnten die Schüler ganz praktisch erleben und erfahren, wie wichtig es ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.

Thomas Wimmer gab Informationen zum Thema "Rechte Jugendkulturen". Der eingesetzte Film erzeugte unmittelbare Betroffenheit und löste lebhafte Diskussionen aus. Bereichert wurde die Argumentation durch die Teilnahme von Schülern aus den Asylbewerberklassen an diesem Workshop. In diesem Forum konnten alle offen ihre Meinung äußern, Probleme aus erster Hand erfahren und mit Hilfe der Referenten Vorurteile erkennen und reflektieren.

Die Auszubildenden waren begeistert vom vielfältigen Angebot, der lockeren und offenen Atmosphäre in den Workshops und der überzeugenden Darstellung der Referenten, besonders auch beim Theaterstück. "Das Kabarett zu Beginn des Projekttages hat uns sehr gut gefallen, da es realistisch, authentisch und originell Gefahren aufzeigt, die Jugendliche betreffen können. Außerdem gefiel uns der bayrische Dialekt", meinten die Schülerinnen der Klassen K10a auf Nachfrage von Linda Reisinger. Auch im ausgeteilten Feedback-Bogen hatten die Schüler Gelegenheit, ihre Meinung zum Projekttag zu äußern.

Den Azubis aufmerksam zuhören. Die rege Mitarbeit und das große Interesse unterstreicht nach Ansicht des Vorbereitungsteams, dass diese Veranstaltung emotional und mit allen Sinnen Themen aufgreift, die Jugendliche ansprechen und beschäftigen. Die Organisatoren haben erfahren, was die Schüler und Schülerinnen denken und fühlen. "Wir müssen unseren Azubis offener und aufmerksamer zuhören, um zu wissen, was los ist, denn die genannten Thematiken beschäftigen Jugendliche in allen Jahrgangsstufen", lautet das Fazit des Organisationsteams. Auch im Zeitalter der Digitalisierung könne solch ein Projekt ein Impuls sein, im Schulalltag Räume für die Auszubildenden zu schaffen, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Und das sei neben der beruflichen Vorbereitung eine wichtige Aufgabe der schulischen Werteerziehung. − red