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Einblicke in Norwegens Berufsbildung

Erasmusplus-Programm: Lehrer des Berufsschulzentrums besuchen Berufsschule in Oslo für die Anbahnung einer Partnerschaft

Pfarrkirchen. Die Lehrkräfte Christoph Kaiser und Andreas Bernhardt hatten im Rahmen des Erasmusplus-Programms die Gelegenheit, die Berufsschule Etterstad videregående skole in Oslo zu besuchen und dort zu hospitieren. Ziel des Job-Shadowings war es, das berufliche Bildungssystem in Norwegen zu erkunden, sich über praxisnahe Unterrichtsmethoden mit den dortigen Lehrkräften auszutauschen und die Möglichkeit einer Schulpartnerschaft auszuloten. Das Projekt PONT (Brücke) steht für Pfarrkirchen-Oslo-Networking-Technology und ist nun auf den Weg gebracht.
In Norwegen erfolgt die berufliche Ausbildung sowohl in Berufsschulen als auch in Ausbildungsbetrieben. Die ersten beiden Jahre sind jedoch vollständig schulisch gestaltet und vermitteln sowohl theoretische als auch praktische Inhalte. Die besuchte Berufsschule bereitet an zwei Schulorten Schülerinnen und Schüler auf die Arbeitswelt vor. Am Hauptstandort in Etterstad sind die Bereiche Wirtschaft und Verwaltung, Elektrotechnik sowie Restaurant und Gastronomie untergebracht. Metallberufe und Kfz-Mechatroniker sind nahe dem Ullevaal Stadion beheimatet. Eine Besonderheit ist zudem sicherlich, dass die Schule ein Restaurant selbst mit den Schülerinnen und Schülern sowie ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Beide sind, versehen mit bestimmten Öffnungszeiten, der Öffentlichkeit zugänglich.
Während ihres Aufenthalts besichtigten die Pfarrkirchener Lehrkräfte die Fachbereiche Wirtschaft und Verwaltung, Elektrotechnik und Gastronomie, legten jedoch einen besonderen Fokus auf Metallverarbeitung und Kfz-Mechatronik. Das erste Jahr konzentriert sich bei letzteren auf eine allgemeine Metallgrundstufe, während das zweite Jahr eine spezifische Berufsausbildungsrichtung vertieft. Erst nach einer schriftlichen und praktischen Prüfung dürfen die Auszubildenden im dritten und vierten Ausbildungsjahr ihre Ausbildung im Betrieb fortsetzen.
Besonders beeindruckend war die Größe der Werkstätten sowie der stark handlungsorientierte Unterrichtsansatz. Die integrierten Klassenräume ermöglichen spontane Wechsel zwischen Lehrwerkstatt und Theorieräumen, je nach methodisch-didaktischem Bedarf. Eine weitere bemerkenswerte Besonderheit ist die tägliche Frühstücksversorgung aller Auszubildenden, die zu einer ruhigen und konzentrierten Lernatmosphäre beiträgt.
Natürlich gehörte auch die Erkundung der Stadt, der Unterkunftsmöglichkeiten für entsandte Schülerinnen und Schüler und des ÖPNV dazu, einmal um sich einen Überblick zu verschaffen und zweitens den Schüleraufenthalt gründlich vorzubereiten.
Obwohl Norwegen kein Mitglied der EU ist, ist Norwegen ein assoziiertes Drittland und somit eine mögliche Destination für Erasmusplus-geförderte Auslandsaufenthalte für Lernende in der beruflichen Bildung. So wurde durch die Fachlehrkraft Andreas Bernhardt der Kontakt mit der Schule aufgenommen und der Besuch durch Videokonferenzen vorbereitet. Erasmusplus-Koordinator Christoph Kaiser bereitete den organisatorischen Rahmen vor und beriet die Pfarrkirchener und norwegischen Fachlehrkräfte hinsichtlich der Möglichkeiten der organisatorischen Durchführung und der Förderfähigkeit des Aufenthaltes.
Christoph Kaiser und Andreas Bernhardt können Schulleiter Günter Ilg von einer erfolgreichen Anbahnung einer Schulpartnerschaft berichten. Die Osloer Schule ist selbst seit Kurzem Erasmusplus-Schule. Schulleiterin Elin Stavrum, die Kontaktperson Torkil Braekkan und viele Lehrkräfte zeigten sich durchwegs begeistert ob des Programmes, werden sechs Pfarrkirchener Schüler im Oktober 2025 gerne aufnehmen und fragten bereits an, ob sie selbst Lehrkräfte und Auszubildende nach Pfarrkirchen entsenden können. Die Sprachbarriere kann überwunden werden, weil Unterrichtungen auf Englisch stattfinden und weil einer der Kfz-Ausbilder aus Norwegen deutscher Muttersprachler ist.
Die Aufenthalte sind Bestandteil der Internationalisierungsstrategie „BSZ Goes Global“. Mittlerweile werden Auszubildende jährlich nach Irland, Dänemark, Tschechien, Italien und nun auch nach Norwegen entsandt, um internationale Erfahrungen zu sammeln und den persönlichen Horizont zu erweitern und Soziale Kompetenz zu entwickeln.
−red