Pfarrkirchen.Ein beißender Geruch liegt in der Luft, Farbeimer und Spraydosen liegen verstreut über den Boden, die Jugendlichen der Betty-Greif-Schule und der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) sind mit Atemschutzmasken unterwegs: Das Graffitiprojekt des Jugendzentrums (JUZ) in Kooperation mit den Stadtwerken ist heuer am Freibad über die Bühne gegangen.
In diesem Jahr war als Thema Freibad, Wasser und eine abstrakte Wandgestaltung vorgegeben – passend zu der Örtlichkeit. Die beiden Graffiti-Künstler Franziska Hauber und Oliver Skowronek leiteten die Schüler an. Sie zeichneten an der Wand des Freibads die Grundzüge des Kunstwerks mit Bleistift vor und überlegten sich die Farbgestaltung. Die Schüler bekamen Spraydosen, Alkoholstifte und Acrylfarben überreicht.
Zusätzlich standen Plastikwände zur Verfügung. Dort konnten die Jugendlichen mit ihren Spraydosen ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Somit hatte jeder die Chance das zu sprühen, was er wollte. An der Hausfassade arbeiteten die Jugendlichen immer mit einem Profi zusammen, der ihnen half und zeigte, was wie zu tun ist. An der Wand konnten die „Sprayer“ ihre eignen Ideen miteinfließen lassen und bekamen zudem auch Ideen vorgegeben, wie zum Beispiel die Zahl 47, die an der Wand angebracht war. Die Nummer steht für einen Teil der Postleitzahl Pfarrkirchens (84347).
Die Graffiti-Artisten erklärten den Jugendlichen auch, was das illegale „Sprayen“ für Risiken berge. Oliver Skowronek erzählte den jungen Leuten, dass Weglaufen nichts bringe, denn ein professionelles Polizei-Team komme fast jedem auf die Spur. Auch Sprayer, die ihre Aktionen lange Zeit planen und sozusagen „Profis“ seien, würden gefasst.
Wie die Leiterin des Jugendzentrums, Alisha Drentschew, erläuterte, soll das Projekt helfen, dass Jugendliche nicht illegal Wände besprühen, sondern dass es legal abläuft und etwas dabei herauskommt, was den Leuten am Ende auch gefällt. „Außerdem steigert es das Selbstwertgefühl der Jugendlichen“, wie der Leiter der Berufsschule, Günter Ilg, hinzufügt. „Denn wenn sie jetzt am Freibad vorbeikommen, sehen sie, was sie geschaffen haben und können stolz auf sich sein.“ Die besprühte Wand werde auch so bleiben, es wird nichts mehr daran verändert, so die JUZ-Leiterin.
Diese Aktion stieß bei allen Beteiligten auf Begeisterung. Bürgermeister Wolfgang Beißmann zeigte sich zufrieden, da mit genau solchen Projekten der Zusammenhalt und das Miteinander gestärkt würden. Zudem sieht er es als eine Win-Win-Situation, da an Orten Kunst entstehe, wo sie gesehen werde und die Jugendlichen Spaß haben würden.
Die Jugendzentrumsleiterin Alisha Drentschew zeigte sich ebenfalls angetan und sagte gegenüber der PNP: „Wichtig ist, dass wir nicht nur über Jugendliche reden, sondern mit ihnen etwas gestalten. Das hier wird das Ergebnis sein“, meinte sie und zeigte auf die kunstvoll verzierte Wand des Freibads. Daher hofft sie, dass auch nächstes Jahr wieder ein Graffiti-Projekt stattfindet.
