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Überraschendes Aus für das Parkdeck

Landkreis ändert Pläne bei der Berufsschule wegen explodierender Kosten

Zum Teil offen, zum Teil mit einer Metallfassade versehen, so sollte das neue Parkhaus an der Berufsschule einmal aussehen und 356 Autos Platz bieten. Doch das Vorhaben ist vom Tisch, nachdem die Kosten massiv gestiegen sind. −Skizze: red

Quellle: pnp

    

Pfarrkirchen. Diese Nachricht kam für die Mitglieder des Bauausschusses überraschend, als es am Dienstag um den Neubau des Berufsschulzentrums an der Max-Breiherr-Straße ging: Das für 356 Autos geplante Parkdeck kommt nicht.

Im Februar erst hatte der Bauantrag des Landkreises den Ausschuss passiert. Für die Berufsschule sind insgesamt 126 Millionen Euro angesetzt. Davon waren für die Errichtung des Parkdecks 7,2 Millionen Euro eingeplant. Doch jetzt zieht der Landkreis die Reißleine. "Aktuelle Schätzungen haben ergeben, dass das Parkdeck über zehn Millionen Euro kosten würde", sagte Sachgebietsleiter Jürgen Leitl vom Landratsamt. Er war im Zuge der Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes sowie der Aufstellung des Bebauungsplanes in die Sitzung gekommen, um in kurzen Zügen das Mammutbauprojekt vorzustellen. Da dies den Kostenrahmen sprenge, sei der Kreisausschuss in nicht öffentlicher Sitzung informiert worden, dass diese Parklösung so nicht umgesetzt werde, erklärte Leitl.

Nötige Stellflächen entstehen anderweitig

Eine Reaktion aus dem Gremium ließ nicht lange auf sich warten. "Wenn das Parkdeck nicht kommt, sehe ich schwarz", meinte Karl Hafner (CSU). Schon jetzt herrsche im angrenzenden Wohngebiet ein Parkchaos, da viele Schüler mit dem Auto kommen würden.

Daran ändere sich aus seiner Sicht auch nichts betonte Hafner, als Bürgermeister Wolfgang Beißmann ankündigte, dass man derzeit eine Stadtbuslinie prüfe, die dann auch die Berufsschule bedienen würde. Die meisten Berufsschüler würden mit dem Auto kommen, so der CSU-Stadtrat.

Leitl versprach eine Lösung. Momentan verfüge man über 105 Parkplätze, die mit dem Bau der neuen Berufsschule verschwinden werden. Daher werden im ersten Bauabschnitt, der von März bis Juni 2022 über die Bühne gehen soll, 150 Stellflächen nördlich der Holzwerke Lignopan geschaffen. Dort sei auch das Parkdeck geplant gewesen. Damit erreiche man bereits eine Verbesserung der bisherigen Parkplatzsituation, unterstrich er. Mit Fertigstellung der neuen Berufsschule werde das alte Gebäude weggerissen. Auf diesem Areal nördlich der Max-Breiherr-Straße schaffe man dann weitere Parkplätze, um am Ende auf die nötige Zahl von 350 zu kommen.

Der Bau der eigentlichen Berufsschule soll im September 2022 starten und im Sommer 2025 abgeschlossen sein, teilte Leitl mit. Das vierstöckige Schulgebäude wird auf dem jetzigen Parkplatz der Berufsschule in der Max-Breiherr-Straße entstehen. Im Anschluss daran sind im dritten Bauabschnitt nördlich davon vier einstöckige Werkhallen geplant. In den Hang hineingebaut wird das Logistikgebäude. Dieser "Riegel" diene gleichzeitig als "Stützwand". Dort werden Lager, Heiztechnik und Entsorgung untergebracht. Die Arbeiten dafür sollen 2023 beginnen.

Auf Nachfrage von Walter Reitmeier (JL/BL), ob man die Hallen erweitern könne, sagte Leitl, dass man die 60 Meter langen Gewerbehallen flexibel nutzen könne. Hinsichtlich des Platzes habe man alles ausgereizt, zumal die Regierung von Niederbayern das Raumprogramm vorgebe. Insgesamt spreche man von einer Nutzfläche von 25000 Quadratmetern.

Im vierten Schritt soll noch eine Zweifach-Turnhalle entstehen, fügte Leitl hinzu. Hierzu gebe es aber noch kein Zeitfenster, wie er auf Nachfrage von Bernhard Stüwe (CSU) sagte.

Bürgermeister Beißmann bezeichnete die Maßnahme als "sehr wichtigen Schritt", da das Handwerk einen sehr hohen Bedarf an Nachwuchskräften habe. Der Neubau steigere die Attraktivität des Standorts und sei für die ganze Region wichtig. Außerdem würden mit dem Neubau und dem Abriss der alten Gebäude Flächen in einem Wohngebiet frei. Damit spielte er auf eine sinnvolle Nachnutzung als Wohnraum an.

Im Anschluss stellte Elke Kölnberger vom Planungsbüro Jocham + Kellhuber die Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans vor. Demnach sind im Randbereich dichte Heckenstrukturen vorgesehen. Auch der Baumbestand soll weitgehend erhalten bleiben. Zudem soll eine Gehwegverbindung zwischen Eggenfeldener und Max-Breiherr-Straße bleiben. Auf Nachfrage von Tobias Hanig (Grüne) erläuterte die Planerin, dass der Querschnitt ausreiche, damit auch Radfahrer diesen Weg nutzen könnten. Am Ende votierte das Gremium einstimmig für die vorgelegten Pläne.Vor dem Hintergrund der Preissteigerung beim Parkdeck hat die Heimatzeitung beim Landratsamt nachgefragt, ob dies etwaige Folgen für das gesamte Projekt habe. "Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Neubau des extrem in die Jahre gekommenen Berufsschulzentrums. Insbesondere die Werkstattsituation ist für Schüler und Lehrkräfte äußerst unbefriedigend", teilt Pressesprecher Mathias Kempf mit. Der Förderantrag hierfür werde wie geplant und beschlossen bis September eingereicht. "Das Parkdeck war hingegen ohnehin nicht förderfähig, ist diesbezüglich also losgelöst von der Förderung des Berufsschulzentrums zu betrachten. "

Keine Verzögerung beim Bau der Berufsschule

Ursprünglich sollte die Errichtung des Parkdecks zwar vor dem Bau der Berufsschule realisiert werden. Aufgrund der sich abzeichnenden Kostenexplosion habe Landrat Michael Fahmüller jedoch einen sofortigen Planungsstopp verhängt und den Kreisausschuss unterrichtet. "Planung und Bau des Berufsschulzentrums selbst sind davon in keiner Weise betroffen", betont Kempf. "Über die Kostenentwicklung des Berufsschulzentrums lässt sich zum derzeitigen Planungsstand noch keine Aussage treffen, diese hat jedoch nichts mit der Kostenentwicklung beim Parkdeck zu tun." Auch der Zeitplan für den Bau des Berufsschulzentrums werde nicht verzögert. Da nun nicht zunächst das Parkdeck fertiggestellt wird, könnte sich der Zeitplan hierfür sogar etwas nach vorne verschieben.